Neuer Rundgang für Kinder in der Dokumentation Obersalzberg
Dokumentation Obersalzberg / Foto: Emanuel Förster
Kinder ab 8 Jahren können jetzt die Dauerausstellung der Dokumentation Obersalzberg auf einer altersgerechten Tour erkunden. Damit ist die Dokumentation eine der wenigen Einrichtungen, die die Geschichte des Nationalsozialismus für diese Altersgruppe vermitteln.
Mediaguide an, Kopfhörer auf: Zu Beginn der Kindertour durch die Dokumentation Obersalzberg lernen die jungen Besucherinnen und Besucher die erwachsene Marina und Ulli kennen (gesprochen von Marina Blanke und Marie Nicol). Ulli ist ein Kind im gleichen Alter, das schon viel über den Nationalsozialismus weiß. Gemeinsam bilden sie ein Team, das die Ausstellung erkundet: Ulli erklärt Dinge in verständlicher Sprache und zeigt dabei auch, dass die schwierigen Themen manchmal nachdenklich machen oder verunsichern können. Marina selbst stellt viele Fragen zur Geschichte. Sie belehrt nicht, sondern begleitet die Kinder durch die Ausstellung und gibt ihnen Orientierung und Sicherheit.
Der Rundgang eröffnet Kindern ab 8 Jahren einen altersgerechten Zugang zur Geschichte des Nationalsozialismus am historischen Ort Obersalzberg. An 16 ausgewählten Stationen lernen sie zentrale Inhalte der Dauerausstellung „Idyll und Verbrechen“ kennen: Sie erfahren, warum der Obersalzberg für das NS-Regime eine besondere Bedeutung hatte und wer Adolf Hitler war. Schritt für Schritt entdecken sie, dass inmitten der idyllischen Landschaft der Berchtesgadener Alpen Entscheidungen getroffen wurden, die weit darüber hinaus furchtbare Folgen hatten. Sie lernen die Schicksale von Menschen kennen, die unter den Folgen dieser Entscheidungen litten, die ausgegrenzt und verfolgt wurden. Einige von ihnen überlebten die NS-Herrschaft nicht. Zum Abschluss führt die Tour auch in die historischen Bunkeranlagen – für manche Kinder ein spannender, für andere ein eher unheimlicher Ort.
Eine Ausstellung zum Nationalsozialismus kommt auch in einem Angebot für Kinder nicht ohne die Auseinandersetzung mit schwierigen Fragen aus. Diese werden jedoch behutsam und altersgerecht aufgegriffen und stehen nicht im Mittelpunkt. Explizite Gewaltdarstellungen gibt es ebenso wenig wie die intensive Konfrontation mit den nationalsozialistischen Massenverbrechen. Die Kinder werden ernst genommen, ohne sie zu überfordern: Auch komplizierte Themen werden ihnen in verständlicher Form vermittelt. Dafür sorgen Ulli und Marina, die die historischen Inhalte in einfacher Sprache und klaren Worten erklären, ohne sie mit zu vielen Details zu überladen. Dass sie dabei auch eigene Gefühle sichtbar machen, bietet zusätzliche Orientierung und Halt. Der Rundgang regt Kinder auch über den Besuch hinaus dazu an, Fragen zu stellen und über ihre Eindrücke zu sprechen.
Mit dem Kinderrundgang bietet die Dokumentation Obersalzberg ein altersgerechtes Angebot für Kinder ab 8 Jahren, die in Begleitung mindestens eines Elternteils oder einer anderen erwachsenen Bezugsperson kommen. Bisher wurde der Besuch der Ausstellung ab 12 Jahren empfohlen. Der neue Rundgang reagiert damit auf das Interesse vieler Familien mit jüngeren Kindern am Museumsbesuch.
Der Kinderrundgang wurde vom Bildungsreferat der Dokumentation Obersalzberg gemeinsam mit der Firma Linon – Medien für Museen entwickelt und ist Teil des kostenlosen Mediaguide-Angebots (als Leihgerät oder als Smartphone-App zum Download – in diesem Fall werden eigene Kopfhörer benötigt). Neu im Angebot ist außerdem eine niederländische Sprachversion des Ausstellungsrundgangs. Insgesamt umfasst der Mediaguide damit 13 Sprachversionen sowie Formate in Leichter Sprache, Deutscher Gebärdensprache und eine audiodeskriptive Tour.
Die Dokumentation Obersalzberg ist ein Lern- und Erinnerungsort auf dem historischen Areal des ehemaligen „Führersperrgebiets“ bei Berchtesgaden. Sie setzt sich mit der Geschichte des Obersalzbergs und der NS-Diktatur auseinander und vermittelt diese fundiert und allgemein verständlich in der mehrfach preisgekrönten Dauerausstellung „Idyll und Verbrechen“. Hinzu kommen wechselnden Sonderausstellungen sowie ein vielfältiges Bildungs- und Veranstaltungsprogramm.