Ein Blick hinter die Kulissen
Idyll und Verbrechen: Die Dauerausstellung der Dokumentation Obersalzberg
„Idyll und Verbrechen“ – das steht einerseits für die malerisch gelegene Bergresidenz Adolf Hitlers in eindrucksvoller Alpenlandschaft, andererseits für die Tatorte der nationalsozialistischen Vernichtungspolitik in ganz Europa und die Schicksale der Opfer. Die Ausstellung macht sichtbar, wie eng diese scheinbaren Gegensätze mit dem Täterort Obersalzberg verflochten sind: Hier wurden zentrale Entscheidungen zu Verfolgung, Krieg und Völkermord getroffen.
Dokumentation Obersalzberg / Foto: Leonie Zangerl
Der Prolog führt in die Thematik der Ausstellung „Idyll und Verbrechen“ ein.
Vom Ort aus erzählen
Die Ausstellung will keinen umfassenden Überblick über den Nationalsozialismus bieten. Stattdessen richtet sich der kuratorische Fokus von Anfang an darauf, die Geschichte vom Ort aus zu erzählen.
So zeigt die Ausstellung, dass Hitlers Bergresidenz kein abgeschiedener Rückzugsort war, sondern ein zentraler Schauplatz nationalsozialistischer Gewaltherrschaft. Rund ein Viertel seiner Regierungszeit verbrachte Hitler am Obersalzberg. Gewalt und Verbrechen waren der Wesenskern des Nationalsozialismus. Die NS-Elite nutzte bewusst die informelle Atmosphäre des Ortes, um hier ihre verbrecherische Politik zu besprechen, zu planen und voranzutreiben.
Die Ausstellung macht deutlich, welche Rolle der Obersalzberg für den engsten Kreis um Hitler, für die nationalsozialistische Gesellschaft und für die NS-Politik vor und während des Zweiten Weltkriegs spielte.
Dokumentation Obersalzberg / Foto: Kradisch
Das interaktive Modell zeigt, welche Gebäude sich im „Führersperrgebiet“ am Obersalzberg befanden.
Dekonstruktion der NS-Propaganda
Die idyllische Bergkulisse des Obersalzbergs wurde gezielt zur Inszenierung des Führerkults genutzt. Hier entstanden jene Bildwelten der nationalsozialistischen Propaganda, die Hitler als volksnahen „Führer“, als naturverbundenen Menschen, guten Nachbarn und väterlichen Herrscher darstellten – Bilder, die bis heute in der kollektiven Erinnerung nachwirken. Die Ausstellung legt die Strategien und Techniken dieser Inszenierungen offen und lädt die Besuchenden dazu ein, die Bildpropaganda am großen Medientisch in der Ausstellung kritisch zu analysieren und zu dekonstruieren.
Dokumentation Obersalzberg / Foto: Kradisch
Am Medientisch können Besuchende sich aktiv mit der Inszenierung und Wirkung von NS-Propaganda auseinandersetzen.
Erzählprinzipien
Ausgangspunkt der thematischen Erzählungen in der Dauerausstellung „Idyll und Verbrechen“ ist der Obersalzberg. Dies entspricht auch den Erwartungen vieler Besuchenden, die sich gezielt über den historischen Ort informieren möchten, an dem sie sich befinden. Der Obersalzberg bietet zahlreiche Anknüpfungspunkte für exemplarische Erzählungen, die ein breites Themenspektrum der NS-Geschichte abdecken und weit über den Ort hinausweisen – an viele andere Orte im Deutschen Reich und im besetzten Europa.
Die hier getroffenen verbrecherischen Entscheidungen knüpfen Verbindungen zu Tatorten in ganz Europa. Die Gleichzeitigkeit von scheinbarer Normalität am Obersalzberg und Gewalttaten an anderen Orten verdeutlicht das Spannungsverhältnis zwischen Idylle und Verbrechen.
Immer wieder werden Orte mit Menschen in Beziehung gesetzt – mit den Opfern und ihren Schicksalen ebenso wie mit den Biografien jener, die für Verfolgung und Vernichtung verantwortlich waren. Anhand dieser exemplarischen Erzählungen öffnet die Ausstellung den Blick, arbeitet die Besonderheiten des Obersalzbergs als historischen Ort heraus und verortet ihn zugleich im weiteren Kontext der nationalsozialistischen Herrschaft und ihrer Verbrechen.
Dokumentation Obersalzberg / Foto: Leonie Zangerl
Im Zentrum der Ausstellung stehen die Verbrechen der Nationalsozialisten.