Pflege im Nationalsozialismus: Kooperation zwischen Dokumentation Obersalzberg und Kliniken Südostbayern AG
Der neu konzipierte Workshop „Zwischen Hilfe und Mord. Medizin und Pflege im Nationalsozialismus“ der Dokumentation Obersalzberg wird fester Bestandteil der Pflegeausbildung der Kliniken Südostbayern AG.
Die neu gestartete Kooperation zwischen der Dokumentation Obersalzberg und den Kliniken Südostbayern AG setzt ein starkes Zeichen für politische Bildung: Ab sofort ist im Curriculum der Pflegeausbildung an den Kliniken Südostbayern AG ein Workshoptag in der Dokumentation Obersalzberg fest verankert. Jeder Jahrgang soll sich künftig einmal während der Ausbildung intensiv mit der Geschichte des Nationalsozialismus und der Rolle der Pflege während dieser Zeit befassen.
„Wir freuen uns, dass wir künftig allen Ausbildungsklassen einen solchen Workshop ermöglichen können“ sagt Steffen Köhler, Geschäftsbereichsleiter Personal und Bildung der Kliniken Südostbayern AG. „‘Geschichte verstehen, Demokratie stärken, Zukunft gestalten‘ – mit diesem Leitgedanken freuen wir uns auf die intensive Zusammenarbeit mit der Dokumentation Obersalzberg.“ Dr. Sven Keller, Fachlicher Leiter der Dokumentation, betont: „Die Medizinverbrechen der Nationalsozialisten zeigen, wohin die Unmenschlichkeit einer völkisch-biologistischen Ideologie führt. Die Geschichte berührt viele ethische Fragen, die sich auch der Medizin und der Krankenpflege der Gegenwart stellen. Ein Ort wie der Obersalzberg eignet sich besonders gut, sie mit Pflegeschülerinnen und -schülern zu diskutieren.“
Im neu konzipierten Workshop der Dokumentation Obersalzberg „Zwischen Hilfe und Mord: Medizin und Pflege im Nationalsozialismus“ setzen sich die Auszubildenden mit Antisemitismus, Rassismus, Menschenversuchen und dem Massenmord an Menschen mit körperlichen und geistigen Behinderungen auseinander. Der aktuelle Bezug spielt dabei eine tragende Rolle; so werden Tendenzen, wie moderne „Eugenik“ oder die Diskriminierung von Menschen mit Behinderungen thematisiert.
Während der NS-Zeit waren die Pflege und die Medizin tief in die Verbrechen des Regimes verwickelt. Im Jahr 1939 beauftragte Hitler enge Vertraute, das sogenannte „Euthanasieprogramm“ zu planen; am Obersalzberg diskutierten sie wochenlang über diese Frage. Das Programm war der erste staatlich organisierte Massenmord der Nationalsozialisten, bei dem rund 300.000 Menschen mit körperlichen und geistigen Behinderungen getötet wurden.
Bereits die ersten zwei Pilot-Workshops im November und Dezember 2024 hinterließen einen bleibenden Eindruck bei den Auszubildenen. Die Klassen der Berufsfachschulen für Pflege beschäftigten sich nicht nur mit Inhalten der Dauerausstellung „Idyll und Verbrechen“ der Dokumentation Obersalzberg. Ebenfalls im Fokus des Bildungsformats stand die Reflexion der jungen Erwachsenen über die Verbreitung rechtsextremer Ideologien in der digitalen Welt. Die Stärkung demokratischer Werte sowie der Einsatz für Respekt, Vielfalt und Solidarität – gerade in der Pflege, wo der Umgang mit Menschen im Mittelpunkt steht – sind Schwerpunkte des neuen Bildungsformats.
Informationen zum Ausbildungsprogramm der Kliniken Südostbayern AG finden sich hier.